Wolfgang Kahlkes Reiseberichte












Fotos: Alfred Czogalla und Wolfgang Kahlke

Alpen Tour 2022: Landeck Reschenpass Schluderns (5. Juni 2022)

Wir hatten uns kurzfristig entschieden das 4 Sterne Frühstück dazu zu buchen und nutzten ausgiebig das umfangreiche Angebot. Das Haupthindernis des Tages war der Reschenpass, allerdings stand an diesem Pfingstsonntag im Gegensatz zum Vortag, mehr die Ausdauer und weniger die Kraft im Vordergrund. Innerhalb von 60 Kilometern mussten wir zur Reschenhöhe netto 700 Höhenmeter überwinden, am Vortag waren es am Hahntennjoch auf 15 Kilometern 1000 Höhenmeter. Noch vor dem Ortsende von Landeck bogen wir auf den Inntalradweg ein, dem wir dann bis in die Schweiz folgen sollten. Direkt hinter Landeck ist das Tal sehr eng und wir bewegten uns rechts des Inn durch den Wald. Unterhalb von Fließ wurde das Tal dann etwas breiter, wo wir auch wieder Wiesen voller Blumen und Kräuter bewundern konnten (s. links oben). In der Folge mussten wir mehrmals den Inn überqueren und uns bot sich dabei immer häufiger der Blick auf den Alpenhauptkamm in der Ferne (s. links).

Bei Prutz weitete sich das Tal dann endgültig und es ging relativ flach aber stetig bergan. Allerdings stellte sich zusehends ein ordentlicher Gegenwind ein, damit es nicht zu einfach für uns wurde. Wir befuhren abseits der Reschenstraße eine landschaftlich ganz tolle Strecke mit herrlichen Ausblicken. Nach 30 Kilometern erreichten wir Pfunds und dachten es sei Zeit für die erste Pause. Leicht abseits von unserer Route fanden wir an der Kirche von Pfunds einen nett eingerichteten Fahrrad-Rastplatz. Mehrere schattige Bänke luden zur Rast, ein Brunnen mit Christopherus Figur bot frisches Wasser und in der Kirche gab es geistlichen Beistand. Schon kurz hinter Pfunds kreuzten wir die Reschenstraße und folgten nun der verkehrsarmen Straße neben dem wilden Inn in Richtung Unterengadin. In der engen Schlucht findet man keine Gebäude bis man bei Martina die Schweizer Grenze überquert. Wir steuerten die 13 Kehren zur Norbertshöhe an und waren damit sofort wieder in Österreich. Für mich war es eine Radpremiere im Gegensatz zu Alfred, der hier schon mal bei Schneefall hochgefahren war. Wir hatten angenehm warmes Wetter und fanden auch einen guten Rhythmus. Am Hotel auf der Norbertshöhe schossen wir das obligatorische Foto (s. links Mitte) und genossen den herrlichen Blick in Richtung Nauders.

Nach einer Trinkpause beim Hotel Martha in Nauders benutzten wir den Radweg in Richtung Reschensee. Das gestaltete sich etwas zäh, weniger wegen der 200 Höhenmeter, mehr wegen des stürmischen Gegenwinds. Langsam und mühsam kamen wir voran, wobei uns viele Mountain-Biker mit Vollschutz in voller Fahrt entgegen rasten. Das Skigebiet Nauders wird im Sommer wohl gerne für MTB-Zwecke genutzt, ist natürlich sinnvoll um die Liftanlagen über das ganze Jahr zu nutzen. In einer prachtvollen Almwiese kam kurz hinter der italienischen Grenze, der Ort Reschen und der gleichnamige See ins Sicht (s. links). Wie das Foto verdeutlicht war der Radweg in diesem Bereich sehr ordentlich frequentiert. Deshalb fuhren wir auf dem schmalen und auch teilweise unübersichtlichen Radweg neben dem Reschensee mit höchster Konzentration. Bei St. Valentin zog es uns auf die Reschenstraße. In rasanter Fahrt knallten wir die Halde ins Vinschgau hinab. Beim Haidepark Restaurant und Geschäft schwangen wir uns auf den Parkplatz, um Einkäufe zu erledigen. Für den Abend hatten wir eine Brotzeit eingeplant und hier bot sich die Gelegenheit, die dafür notwendigen Südtiroler Nahrungsmittel zu besorgen. Wir erstanden Vinschgauer, Ortler-Speck, Hirschsalami und Bergkäse. Alfred verstaute alles in seinem geräumigen Rucksack und weiter ging die rasante Fahrt hinab. In Mals entdeckten wir am Kirchplatz eine sehr gut besuchte Eisdiele, die wir sofort ansteuerten. Die Entscheidung hatte sich gelohnt, denn wir genossen die ersten Ballen von herausragend gutem Südtiroler Eis!

Wir waren hier etwas unsicher, wegen den letzten Kilometern bis zu unserer Unterkunft für die nächsten zwei Nächte, der Pension Ortlerblick in Schluderns. Erst nach der Buchung hatten wir realisiert, dass die Unterkunft "400 Meter über dem Talboden" liegt. Komoot schickte uns aus Schluderns heraus direkt auf eine weit über 10 prozentige Rampe, die unterhalb der Burg Schluderns (s. links) in Wackersteine überging. Hier war der Punkt, wo ich meine superleichten Radschuhe für die Klickpedale gegen Laufschuhe tauschte und das Rad schob. Nach 300 Metern folgte aber wieder steiler Asphalt und wir wuchteten uns den schmalen Wirtschaftsweg hoch. Etwa 2 Kilometer vor der Pension erreichten wir eine kleine Straße mit erträglicheren Steigungsprozenten. Ausgedörrt und entkräftet erreichten wir unsere Unterkunft. Die gut gelaunte Pensionswirtin versorgte uns erst mal mit eisgekühlter Zitronenlimonade und wir kamen auch langsam wieder zu Atem. Schon bald genossen wir die phantastische Sicht in Richtung des Ortler und auch des Einstiegs in die Stilfserjoch-Straße (s. links unten). Geduscht, ausgeruht und frisch angezogen setzten wir uns dann auf den Balkon und gönnten uns eine tolle Südtiroler Brotzeit mit unseren Mitbringseln aus dem Haidepark, wobei wir den Blick auf die überwältigende Bergkulisse genossen. Bis auf einige Kuhglocken störte dann nichts mehr unsere Nachtruhe.

Leistungsdaten
Karte mit Streckenverlauf
Grafik mit dem Höhenprofil
Bildergalerie der gesamten Tour

Tag 1 (Übersicht)
Tag 2 (Jungholz - Landeck)
Tag 3 (Landeck - Schluderns)
Tag 4 (Stilfserjoch - Umbrailpass)
Tag 5 (Schluderns - St. Leonhard)
Tag 6 (St. Leonhard - Matrei)
Tag 7 (Matrei - Mittenwald)
Tag 8 (Mittenwald - Jungholz)


© WK