Fotos: Wolfgang Kahlke
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Tagesklassiker 2023: 4 x Großer Feldberg (119 km / 2800 Hm)
Der Große Feldberg spukte schon einige Zeit in meinem Kopf herum, nachdem der Wolle Mai mir beim Laufen in Köln davon erzählt hatte. Er hatte sich dort bereits mehrmals auf Triathlons oder größere Radtouren vorbereitet, um einerseits die Form zu prüfen und andererseits an der Wettkampfhärte zu arbeiten. Ich hatte mir von ihm Tipps und seinen Tourenverlauf besorgt und ließ das Projekt in meinem Kopf reifen. Einen Mitfahrer der mich begleiten wollte fand ich nicht, als ich erzählte was ich plane. Einen erst Versuch unternahm im am 31.Mai ab Bad Camberg mit dem Track vom Wolle. Leider riss an dem Tag der hintere Schaltzug schon nach etwa 15 km. Mit Bordmitteln konnte ich den zweitkleinsten Gang fest einstellen. Mit roher Gewalt und sehr hohen Pulswerten habe ich es auf den Gipfel des Feldbergs im Taunus geschafft, wo gerade eine ordentlicher Sturm tobte, es war ein sehr beeindruckendes Erlebnis. So kam an dem Tag immerhin eine 80 km Tour mit 1000 Hm dabei heraus und die Erkenntnis, dass ich so bald wie möglich mit einem funktionierenden Rad zurückkehren wollte. Werner Seifert aus Kerpen reparierte und wartete beim Rennrad, dass nach ein paar Tagen wieder bereit stand.
Am 11. Juli, einem heißen Sommertag, fuhr ich frühzeitig mit dem Focus Kombi nach Bad Camberg, etwa 150 km von Kerpen entfernt. Das Rennrad ruhte hinten auf der Ladefläche. Diesmal gelang mein Vorhaben. Der Track besteht im Grunde aus 4 Anfahrten zum Gipfel des Feldbergs aus verschiedenen Richtungen.Bei einem Blick auf das Höhenprofil fällt auf, dass es gar keine flachen Abschnitte gibt. Allein die leicht ansteigenden ersten Kilometer ab Bad Camberg durch die Felder, könnten in diese Kategorie fallen. Nach dem Einrollen durch die Landwirtschaft erreicht man bald Esch und ab da geht es auf der sehr breiten B8 weiter, die sich gerade frisch asphaltiert in hervorragendem Zustand präsentierte. Nach einem kurzen Stück bergab biegt man noch links ab und kommt durch das Dörfchen Oberems. Ab hier beginnt ein gut zu fahrender Anstieg durch einen bewaldeten Hang, bis man eine erste Kuppe erreicht und rechts in Richtung Niederreifenberg abbiegt. In diesem kleinen Städtchen begann der erste eigentliche Anstieg zum Feldberggipfel. Ab hier ging es 5 km kontinuierlich bergauf mit bis zu 16 % Steigung in der Spitze.
Ich war natürlich stolz wie Oskar, als ich das erste Mal oben ankam (s. links), nach knapp 24 km aber schon beinahe 1000 Hm. Ich schob den ersten Müsliriegel rein und setzte bald die Fahrt fort, in die Gegenrichtung rasant den Berg, hinab mit dem Ziel Schmitten im Taunus. Der Ort liegt auf 490 Metern Höhe, also nur 350 Hm tiefer als die Feldbergspitze. Ab hier war es ein 8 km langer, etwas moderaterer Anstieg bis zur Feldbergspitze. Nach einer kurzen Pause folgte dann die sehr lange, schnelle Abfahrt nach Oberursel. Über 13 Kilometer ging es auf der breiten Kanonen-Straße bergab, bis ich schließlich in Oberursel bei der Bäckerei im großen REWE einkehrte und mir Kaffee und ein Teilchen gönnte. Hier konnte ich meine Trinkflaschen wieder auffüllen, die schon komplett leer getrunken waren. Es folgte der 13 km lange Anstieg von 300 auf über 900 Meter in der vollen Mittagshitze. Die breite Straße bot keinen Schatten, also wurde der Körper hier spürbar ausgezehrt. Als ich das dritte Mal den Berggipfel erreichte, fühlte ich mich schon deutlich ermüdet.
Aber es war noch eine Runde drin. Diesmal ging es wieder runter bis Oberems und von dort zur B8. Hier verkürzte ich etwas gegenüber Wolles Runde, in Anbetracht meiner Kraftreserven. Von der B8 bog ich dann auf die Hochtaunusstraße und quälte mich auf der letzten Rille auf den Gipfel. Der Kiosk "Taunusliebe" war glücklicherweise noch geöffnet und ich gönnte mir eine eiskalte Flasche Spezi, da ich einen klaren Kopf für die Rückfahrt zum Auto und weiter behalten wollte. Mein Körper rebellierte gegen das kalte, süße Getränk, aber nach einer Viertelstunde ging es mir besser und ich konnte mit klarem Kopf und müden Beinen die Rückfahrt antreten. Zurück wählte ich die Siegfriedstraße nach Oberreifenberg, nahe am Schloss vorbei und von dort ein letztes Mal die Richtung Oberems. Kurz vor dem Ort musste ich ganz scharf nach rechts abbiegen auf die L 3450, die über Wüstems und Reichenbach zum Fischbacher Kopf hochführte. Ab dort ging es endgültig schön bergab in Richtung Bad Camberg. Ich fuhr mitten durch die, wegen der Sommerhitze, fast menschenleere Altstadt zu meinen Ford Focus. Der Wagen stand schön im Schatten am Freibad. Nun konnte ich mich in Ruhe abtrocknen, etwas trockenes Anziehen und noch meine Hasenbrote essen, ehe ich in aller Ruhe nach Hause rollte.
Diese Tour steht noch immer als mein persönlicher Höhenmeterrekord für einen Tag in meinen Analen. Der Wolle hat Recht, diese Tour ist ein gutes Training oder auch Indikator für die Form auf dem Rad. Das Radrennen ab Frankfurt, dass früher "Rund um den Henninger Turm" hieß, führt auch jeweils zwei Mal am Gipfel vorbei. Mit An- und Abfahrt und den Pausen muss schon einen kompletten Tag für diese Aktion einplanen, aber es lohnt sich, der Berg ist beeindruckend!
Bildergalerie aller Touren
(Übersicht)
(Um die Rur-Talsperre)
(Ville und Siebengebirge)
(Feldberg im Taunus)
(Dreiländereck)
(Klingenring)
(100 Meilen)
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