Wolfgang Kahlkes Reiseberichte













Fotos: Wolfgang Kahlke

Tagesklassiker 2023: Solinger Klingenring (128 km / 1740 Hm)

Doch nun zu etwas völlig anderem. Das Wetter blieb uns Radfahrern gewogen im August 2023. Keine zwei Wochen nachdem Wilfried und ich die 200 Kilometer Grenze geknackt hatten, trafen wir uns erneut zu einer Herausforderung ganz anderer Art. Ich schlug dem Wilfried eine Tour ins Bergische Land ab Kerpen vor, mit dem Befahren einer ehemaligen Weltmeisterschaftsstrecke. Auf den Tag genau vor 69 Jahren fanden hier die Weltmeisterschaften der Profis statt, die seinerzeit der Franzose Luison Bobet nach 16 Runden mit je 15 Kilometer Länge und je 320 Höhenmetern bei sehr schwierigen Bedingungen gewann. Hinter ihm reihten sich so prominente Namen wie Fausto Koppi, Charlie Gaul und Jacques Anquetil ein. Bei den Amateuren am Vortag erreichte Hennes Junkermann aus Köln in der ersten Verfolgergruppe das Ziel. Wir hatten sehr gute Bedingungen und nahmen uns nach der langen Anfahrt nur eine Runde vor, um die Strecke einfach mal kennen zu lernen.

Mein persönlicher Aspekt dieser Tour bestand in der Erinnerung an viele Fahrten mit dem Rad zur Arbeit, auf dem ersten Abschnitt bis Köln Merkenich. Über Horrem und Königsdorf fanden wir den Weg nach Brauweiler. Wir passierten die Abtei und nahmen dann Sinthern und Geyen mit, ehe wir über Köln-Esch und Chorweiler zur großen Brücke über den Fühlinger See kamen. Hier sind die ersten beiden Bilder oben links entstanden. Ab Feldkassel fuhren wir ein kurzes Stück am Rhein bis Merkenich, wo der Radweg auf die alte Leverkusener Brücke führte. Wie man auf dem Foto links sieht, war die neue Brücke schon teilweise fertig, aber noch nicht befahrbar. Leider ließ es sich nicht vermeiden durch Leverkusen zu fahren, wenn man an dieser Stelle ist und zum Anfang der Balkantrasse in Opladen möchte. Für die Hinfahrt wählte ich die angenehmste Variante, die auf dem Dhünn-Deich bis zur Wupper führt und dann der Wupper in Richtung Opladen folgt. Wie man links sieht gestaltete sich der erste Bereich abschnittsweise parkartig.

Kurz hinter dem Opladener Bahnhof fanden wir den Einstieg in die Balkantrasse, eine ehemalige Bahnlinie, die schon vor einigen Jahren sehr gut in einen Rad- und Fußweg umgewandelt wurde. Wir fuhren auf glattem Asphalt mit einer sehr geringen Steigung und sehr komfortabel bis Pattscheid. Hier mussten wir auf öffentliche Straßen wechseln um Witzhalden zu erreichen. Kurz hinter dem Ort erfolgte der Einstieg in die Runde nach rechts auf die Glüderstraße. Der Klingenring begann sehr schön mit einer schattigen Waldabfahrt bis zur Wupperbrücke im Tal. Auf den folgenden 5 Kilometern mussten wir etwa 150 Höhenmeter bis zu Solinger Innenstadt überwinden. Danach verlief die Strecke über große städtische Straßen südlich des Solinger Stadtzentrum etwas auf und ab. Nachdem es rechts in den Odenthaler Weg ging, folgte eine rasante Abfahrt auf die nächste Wupperbrücke. Die Runde wurde komplettiert durch einen zweiten langen Anstieg, zurück zum Ausgangspunkt. Auch dieser zweite Anstieg des Weltmeisterschafts-Kurses wies wechselnde Steigungsprozente bis 12% auf. Da wir zu diesem Zeitpunkt, für unsere Verhältnisse, eine ordentliche Form hatten, war eine Runde auf dem Weltmeisterschafts-Kurs gut machbar. Aber mein Respekt vor den Fahrern war riesig, die hier seinerzeit bei Regen und Wind 16 Runden unter Wettkampfbedingungen absolviert hatten.

Wir hatten bereits mehr als die Hälfte unseres Tagespensums absolviert und steuerten direkt die erste Bäckerei des Fachwerkortes Witzhelden an, wo wir uns Kaffee und ein Teilchen gönnten. Da ich ungern genau dieselbe Strecke zurückfahren wollte, nahmen wir mit Kuckenberg einen höher gelegenen Einstieg auf die Balkantrasse und fuhren sie bis zum letzten Meter hinab. Von hier oben bis zum Ende am Opladener Bahnhof zu fahren war ein Genuss. Fast ohne Druck zeigte der Tacho immer mehr als 30 an, nur auf Fußgänger und andere Radfahrer sollte man ein Auge haben. Die Strecke durch Opladen und Leverkusen bis zur Rheinbrücke gestaltete sich dann recht zäh mit etlichen Ampelstopps und kleinen Umleitungen. Vor dem Rhein ging es noch durch den Neulandpark und das letzte Mal mit dem Rad über die alte Rheinbrücke, die mittlerweile schon Geschichte ist.

Die finalen 30 Kilometer des Tages entsprachen ziemlich genau meiner Route von der Arbeit im Ford Entwicklungszentrum zurück nach Kerpen. Für mich war das etwas nostalgisch und dadurch vermutlich dadurch geschönt. Wilfried fand es nicht so toll, was ich auch verstehen kann. Wenn man mit dem Rennrad durch den Kölner Norden und Leverkusen hin und zurück fährt hat das seine Nachteile. Man muss sehr auf den Verkehr achten und steht auch viel an Ampeln herum. Da gibt es natürlich schöneres Gelände für ein Rennrad. Den Bereich ab Opladen hin und zurück kann ich allerdings uneingeschränkt empfehlen.

Bildergalerie aller Touren

(Übersicht)
(Um die Rur-Talsperre)
(Ville und Siebengebirge)
(Feldberg im Taunus)
(Dreiländereck)
(Klingenring)
(100 Meilen)

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