Fotos: Wolfgang Kahlke
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Tagesklassiker 2023: Drei Länder Tour D /B / NL (206 km / 2000 Hm)
Wilfried und ich sprachen schon einige Zeit über eine 200+ Tour mit dem Rennrad. Wir hatten mittlerweile August und standen radfahrmäßig voll im Saft. Touren zwischen 120 und 140 Kilometer packten wir ohne besondere Probleme und nun reizte es uns einfach mal, die 2 vorne stehen zu sehen. Ich plante eine Strecke mit dem Ziel, bei dieser Gelegenheit möglichst viel unbekanntes Gelände zu erkunden und nicht unnötig Berge einzubauen. Es wurde dann eine Strecke durch die Euregio mit Abschnitten in Belgien und den Niederlanden zusätzlich zum Hauptteil in Deutschland. Am 11. August trafen wir uns um 9 Uhr und legten los. Da wir nicht wussten was auf uns zukam, hatten wir uns auf folgende Strategie geeinigt: Kraftschonend fahren soweit möglich ohne zu trödeln, d.h. bergab eher rollen ansonsten von der Belastung her schön im aeroben Bereich bleiben.
Unsere Strecke führte uns erstmal über Buir, Arnoldsweiler und Birkesdorf nach Langerwehe. Ab hier begann das unbekannte Terrain für uns beide. Nach Weisweiler und Eschweiler, die am Fuß des Hürtgenwald liegen, verlief die Landstraße 223 mit Radweg schnurgerade auf Würselen zu. Nach dem kleinen Flughafen Würselen erreichten wir schnell das Zentrum des Orteils Broichweiden und schauten da mal kurz zum Bäcker herein. Auf dem Marktplatz gönnten wir uns nach den ersten 40 Kilometern eine kleine Pause. Wir hatten die Absicht möglichst regelmäßig Kalorien und Getränke zu uns zu nehmen, um einen Hungerast zu vermeiden. Von nun an ging es auf der großen Bundesstraße größtenteils leicht bergab in Richtung Aachen. Hinter St. Jobs unterquerten wir die A4 und die Strecke wurde für die nächsten Kilometer sehr städtisch, aber dank Radwegen und abgeteilten Radspuren recht flüssig zu befahren. Links oben sieht man eine Impression aus dem Zentrum von Aachen.
Über die Ringstraße ließen wir die Innenstadt rechts liegen und nahmen den Anstieg zum Dreiländereck in Angriff. Hier treffen sich Deutschland, Belgien und die Niederlande, die hier mit 223 Höhenmetern auch den höchsten Punkt aufweisen. Es ging über 5 Kilometer stetig bergauf, auf unserer Strecke, die in einem sehr kleinen Weg endete und erfreulicherweise fast ohne Autoverkehr auskam. Auf den Anstiegen aus Belgien und den Niederlanden ist wesentlich mehr los. Wir schossen schnell ein Gipfelphoto (s. links) und sahen uns erstaunt das sehr touristischen Treiben an.
Die nächsten 30 Kilometer durch Belgien bis Vise an der Maas gefielen mir sehr gut. Es ist eine ländliche, hügelige Landschaft mit Weiden, Landwirtschaft, Hecken und Baumgruppen aber nur sehr kleinen Ortschaften (s. links). Es war landschaftlich der schönste Abschnitt der Tour. Die meisten Bereiche verliefen über den rauen belgischen Asphalt, teilweise gab es Radwege mitten durch die Natur, alles sehr abwechslungsreich, gut ausgeschildert und durchaus etwas fordernd. Ich hatte vorher über eine Kaffeepause in Vise nachgedacht, aber uns fiel beim Durchfahren nichts Passendes ins Auge. Also ging es nach einem Photo auf der Maasbrücke gleich weiter nach Norden, in Richtung Niederlande.
Die nächsten 13 Kilometer folgten wir dem Radweg rechts der Maas. Schon nach den ersten 2 Kilometern durch ein Gewerbegebiet verließen wir Belgien, natürlich ohne einen spürbaren Grenzübergang, was für den Rest der Tour auch so bleiben sollte. Dann kamen wir in den Genuss der hochqualitativen niederländischen Radfahr-Infrastruktur. Wir fuhren über breite Radwege etwas abseits der Straße, die größtenteils markierte Mittellinien aufwiesen. Das Knotenpunktsystem wurde hier übergangslos weitergeführt. Je näher wir nach Maastricht kamen, um so edler wurden die Häuser und die Gegend. Hier wurden ja seinerzeit die gleichnamigen europäischen Verträge verhandelt und beschlossen, die jetzt so gerne von den Mitgliedsstaaten des Euroraums gebrochen werden. Wir hatten bei unserer Tour leider keine Zeit, die sehr schöne Innenstadt auf der anderen Maas Seite zu besichtigen, das habe ich später im Jahr nachgeholt und kann es nur jedem empfehlen.
Wir hatten etwa die Hälfte der geplanten 200 Kilometer hinter uns gebracht und wurden so langsam auch hungrig. Die letzten Müsliriegel waren schon aufgebraucht und die Wasserflaschen auch leer, es bot sich aber an der Strecke keine geeignete Einkehr an. Wir sahen Bars mit Blick auf die Maas aber keine Friterie oder Bäckerei. Ich setzte aber darauf bald etwas zu finden, also kehrten wir der Maas de Rücken zu und folgten der geplanten Route in Nord-Östlicher Richtung. Nach 105 Kilometern Strecke kamen wir Rothem, noch in den Außenbezirken von Maastricht an einer kleinen französischen Baguetterie vorbei. Wir stoppten sofort und hatten die Qual der Wahl aus dem reichhaltigen Angebot. Unsere Baguettes wurden ganz frisch hergestellt und mundeten hervorragend, wie man links sieht. Die Wasserflaschen konnten wir hier auch füllen und begaben uns auf den nächsten Abschnitt, der uns aus den Niederlanden in Richtung Gangelt führen sollte. Diese 30 Kilometer habe ich in sehr guter Erinnerung. Wir fuhren durch eine sehr schöne ländliche Gegend, auf gut markierten Radwegen, bei hochsommerlichen Temperaturen an gepflegten Gärten und Häusern vorbei. Mir gefielen besonders die tollen Hortensien in den Vorgärten.
Kurz vor Gangelt rollten wir irgendwo unspektakulär und unbemerkt über die Grenze. Ich war an Gangelt interessiert, das ich bisher nur aus der Luft als kreisrunden Ort kannte. Wir stoppten kurz am Marktplatz, der schönen historischen Altstadt, um die Wasser-Flaschen im alten Rathaus nachzufüllen. Bei den immer höher werdenden Temperaturen, leerten die sich rasant. Von den nun folgenden 20 Kilometern bis Wassenberg habe ich ehrlich gesagt nicht mehr viel Prägendes in Erinnerung. Es ging durch flaches, ländliches Gelände. Das auffälligste waren leider, die um Größenordnungen schlechteren und ungepflegten Radwege auf der deutschen Seite. Das schöne Mühlengebäude in einem abgeernteten Getreidefeld hier links blieb in positiver Erinnerung. In Wassenberg erreichten wir nach 150 Kilometern mit dem Stadtpark (s. links unten) den letzten Punkt des großen Dreiecks, das wir an diesem Tag abfuhren. Hier erwartete uns auch die letzte Bergwertung und danach nahmen wir Kurs auf Kerpen.
Die nächsten Kilometer folgten wir grob dem Rurtal über die Orte Millich und Hückelhoven bis Baal, hier befanden wir uns wieder auf heimischen Geländen und benötigten eigentlich kein Navi mehr für den letzten Abschnitt. Jetzt kamen wir auch so langsam in unbekannte Kilometerbereiche und mussten lernen damit umzugehen. Als wir von Lövenich in Richtung Titz unterwegs waren, lagen schon mehr als 10 Stunden brutto hinter uns. Den ganzen Tag strahlte schon die Sonne vom Himmel und Schattenabschnitte waren die abolute Seltenheit. Unser Wasserverbrauch wurde spürbar höher und die Kraft ließ langsam nach. Schon ein ganzes Stück vor Titz hatten wir unser Wasser mal wieder komplett verbraucht und auf der Strecke zeigten sich auch keine Wasserstellen. Also suchten wir in Titz und wurden in der Pizzeria fündig. Die hatte noch gar nicht auf, aber das sehr freundliche italienische Personal füllte gerne unsere Flaschen mit kaltem Leistungswasser. Wir tranken auch noch eine Cola und waren damit für den finalen Abschnitt präpariert.
Ab Titz übernahm der Wilfried die Führung. Bis dahin war ich wie üblich als Navigator vorne gefahren. Ich lernte aber jetzt so langsam meine Grenzen an diesem Tag kennen. Der linke Mittelfuß schmerzte etwas von den ungewohnt vielen Pedalumdrehungen. Der Wilfried zog mich gut über die letzten 30 Kilometer, die uns über Elsdorf und die Grubenrandstraße und Manheim nach Hause führten. Hier freuten wir uns schon auf eine Dusche und ein kaltes alkoholfreies Weizenbier, um den neuen Rekord zu feiern. Wir hatten einen tollen Tag erlebt, waren aber auch durch die Strecke, Zeit, Wind und Sonne mächtig ausgezehrt. Erwartungsgemäß blieben keine bleibenden Schäden zurück. Wir konnten uns schon bald den nächsten Herausforderungen stellen.
Bildergalerie aller Touren
(Übersicht)
(Um die Rur-Talsperre)
(Ville und Siebengebirge)
(Feldberg im Taunus)
(Dreiländereck)
(Klingenring)
(100 Meilen)
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